Das Heiligenhäuschen der Gräfin Jutta




1. Das Heiligenhäuschen der Gräfin Jutta im „Kalten Erben„
Es passierte im Jahr 1268. Es waren nicht nur Gerüchte. Es war die Wahrheit, Jutta hatte ihren Geliebten Friedrich von Baaden und den gemeinsamen Freund verloren, den Kaisersohn Konradin, der sein Erbe nie bekam. So wie Gräfin Jutta nie das bekam, was ihr Friedrich von Baaden immer versprochen hatte: „Ich bau dir eine Burg in Oberfell, noch schöner als die Burg Thurant!„.
Niemand konnte sie trösten. Obwohl jeder sie fragte: „Jutta, was können wir für dich tun?„
Niemand konnte etwas für sie tun. Sie war sehr traurig. Dann wurde ihr klar: Sie wollte nicht länger in Frankfurt bleiben. Sie wollte an die Mosel, um dort wieder glücklich zu werden. Gräfin Jutta von Pyrmont, genannt die „Schöne von Oberfell„, kam zurück in ihre Heimat, nach Oberfell. Hier hatte sie ein Haus mit Garten und Wald. Die Menschen an der Mosel würden verstehen, wenn sie nicht über ihr Leben reden wollte. Genau so kam es.
Die Entscheidung Juttas, in das ehrwürdige Kloster Rosenthal einzutreten, machte die Oberfeller traurig. Aber wenn ihre Gräfin das so wollte! Sie sollte in Frieden mit ihren beiden Toten leben: wenn sie das nur in einem Kloster tun konnte, dann musste sie dorthin! Diese Haltung ihrer Dorfbewohner belohnte die Gräfin mit einem Heiligenhäuschen. Niemand in Oberfell sollte sich aber nur an sie erinnern. Noch viel wichtiger war ihr, das jeder Vorbeikommende auf Jesus schauen konnte. Er, dem sie nun im Kloster dienen wollte, würde ihr geliebtes Oberfell beschützen.
So geschah es.
Über Jahrhunderte stand das Heiligenhäuschen im „Kalten Erben„ bis eines Tages der Bildstock entwendet wurde. So verloren die kommenden Generationen das Heiligenhäuschen aus den Augen - aus dem Sinn.
Im Mai 2000 wurde der Bildstock wieder gefunden und an alter Stelle wieder aufgebaut.


Von Niklas Huppertz


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